Wir stellen uns der Verantwortung

Interview mit Landessportbund-Präsident Walter Schneeloch

  • Walter Schneeloch
    Walter Schneeloch

Die Freude über seine Wiederwahl als Präsident des Landessportbundes NRW war Walter Schneeloch in Mülheim/Ruhr sichtlich anzumerken. Dabei hat er bereits viel „Wahlerfahrung“. Er ist seit 2005 in diesem Amt und geht nun in die dritte Legislaturperiode. Außerdem ist der Bensberger seit 2006

Vizepräsident „Breitensport/Sportentwicklung“ des Deutschen Olympischen Sportbundes. Neben seinem Engagement auf Landes- und Bundesebene hat er aber nie den Kontakt zur Basis verloren. Vor Ort in „seinem“ Bensberg blüht er noch immer auf, wenn es um die „Mühen der Ebene“ geht.

Wir im Sport: In den letzten Jahren hat sich die Wahrnehmung des Landessportbundes NRW unter ihrer Führung in der Gesellschaft verändert. Der organisierte Sport wurde z. B. intensiver in die Bewältigung von Themen wie „Integration“ oder „Ganztag“ eingebunden.

Walter Schneeloch: Das stimmt. Die Politik hat uns mehr Aufgaben übertragen. Ein Beispiel sind die über 60 Fachkräfte, die mit finanzieller Unterstützung der Landesregierung eingestellt werden konnten. Sie werden im Rahmen von „NRW bewegt seine Kinder“  eingesetzt. Das ist natürlich ein großer Erfolg, der auch einen Zuwachs an Verantwortung bedeutet. Dieser Verantwortung stellen wir uns gern. Ausdruck wachsender Anerkennung ist sicherlich auch die Sportgala mit der Wahl der Sportler des Jahres. Es ist mittlerweile ein gesellschaftliches Ereignis in NRW!

Wir im Sport: Wie fällt ihre Bilanz insgesamt für die letzten Jahre aus?

Walter Schneeloch: Eines der wichtigsten Ziele des Präsidiums ist ja, das Verbundsystem aus LSB, Verbänden und Bünden zur Stärkung der NRW-Sportvereine voranzubringen. Da haben wir eine Menge erreicht. Es ist zusammengewachsen, was zusammen gehört. Dementsprechend gehen wir in die Legislatur 2012 - 2016 mit zwei neuen Positionen im LSB-Präsidium, dem „Beisitzer Fachverband“ und dem „Beisitzer Bünde“.  Auch unsere neue Struktur aus Präsidium als Aufsichtsrat und Vorstand als operativ verantwortlichem Gremium hat sich bewährt. Wir werden mit unserem Reformprozess weit über die Grenzen NRWs hinaus wahrgenommen und dienen vielen Verbänden als Vorbild.

Wir im Sport: Die DOSB-Führungsakademie in Köln hat diesen Prozess begleitet…

Walter Schneeloch: Als Vorstandsvorsitzender dieser Institution bin ich froh, sagen zu können, dass die Führungsakademie einen hervorragenden Job gemacht hat. Sie hat mit uns gemeinsam die Perspektive eines modern aufgestellten Verbandes entworfen, hat die Schritte zur Umsetzung dieser Vision in Kooperation mit uns skizziert. Mittlerweile hat die Führungsakademie sehr viel Expertise in Sachen „Beratung“. Die Begleitung des LSB-Reformprozesses hat diese Expertise sicherlich noch ausgeweitet.

Wir im Sport: Was waren für Sie in den letzten Jahren besonders schöne Momente?

Walter Schneeloch: Man darf nie vergessen, für wen wir uns in letzter Konsequenz engagieren. Für die Millionen Menschen im Land, die bei Sport und Bewegung mit Begeisterung dabei sind. Wenn ich diese Begeisterung an der Basis spüre, das sind schon echte Glücksmomente, die für viele lange Sitzungen, Debatten und Strapazen entschädigen. Ein persönlich sehr schöner Moment war auch, als mir im letzten Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Ich glaube, mir geht es da ähnlich wie vielen anderen Engagierten im Sport, denen diese Anerkennung zuteil wurde: Es erfüllt einfach mit Stolz!

Wir im Sport: Was steht im Fokus der nächsten Jahre?

Walter Schneeloch: Es geht jetzt darum, die vier neuen Programme des Landessportbundes NRW zu etablieren. Sie berühren viele wichtige gesellschaftliche „Baustellen“, wie z. B. den demografischen Wandel. Wenn die Programme in den Vereinen angekommen sind, dann haben wir eine Menge erreicht. Dazu starten wir im Frühjahr eine Imagekampagne, bei der die Vereine sehr intensiv eingebunden werden. Das soll auch Spaß machen und das wird es auch. Ich freue mich auf diese Kampagne, denn sie wird die Wahrnehmung des Landessportbundes NRW und der Sportvereine noch einmal intensivieren. Lassen Sie sich überraschen!

Wir im Sport: 2012 ist das Jahr der Olympischen Spiele in London...

Walter Schneeloch: Ja, ein besonderes Highlight. Darauf freue ich mich sehr. Die Olympischen Sportarten werden im Rampenlicht stehen. Auch „Randsportarten“ werden einmal in den Fokus der medialen Berichterstattung gerückt. Ein Viertel der Athleten kam ja bei den letzten Spielen aus NRW – und so soll es auch für London sein. Ich hoffe auf viele Medaillen für NRW-Athleten. Das wird noch einmal für einen Schub in unserem sowieso schon sportbegeisterten Land sorgen. Ich freue mich aber auch sehr z. B. auf die Tischtennis  Mannschafts-WM in Dortmund im März, auf die Fußball-Europameisterschaften und nicht zuletzt auf die Paralympics direkt im Anschluss an die Spiele in London.

Wir im Sport: Herr Schneeloch, da spricht der Sportfan in Ihnen...

Walter Schneeloch: Oh ja, Bewegung und Sport… Gibt es etwas Schöneres für jung und alt? Für Menschen, die auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit sind genauso wie für Menschen, die nach einer schweren Krankheit durch Sport ins Leben zurückfinden. In großen Arenen wie auf dem Dorfsportplatz. Dafür lohnt sich jeder Einsatz, ob als Präsident eines Verbandes, als Jugendleiter, Trainer oder Pressewart. Dieses Engagement ist auch ein Stück Lebensqualität!

Interview: Theo Düttmann
Foto: Andrea Bowinkelmann

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