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NRW bewegt seine Kinder
 
Neues Programm des Landessportbundes NRW
 

Noch vor wenigen Jahren waren die Kinder und Jugendlichen im Regelfall mittags nach der Kita oder Schule zu Hause. Genug Zeit, um nachmittags oder abends zum Sportverein zu gehen. Doch mittlerweile ist vieles anders geworden - das Stichwort heißt „Ganztag“ „Der gemeinwohlorientierte Sport steht vor der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes NRW.

Mit dem Programm „NRW bewegt seine Kinder – Bewegte Kindheit und Jugend in Nordrhein-Westfalen“ geht der Landessportbund NRW jetzt in die Offensive. Im außerunterrichtlichen Schulsport/Ganztag will der organisierte Sport eine zentrale, führende Rolle in NRW spielen. Außerdem steht der Ausbau des Engagements im Bereich der Kindertagesstätten/Kindertagespflege auf der Agenda. Auch die Kinder- und Jugendarbeit im Sportverein soll den veränderten Bedingungen angepasst werden. Last but not least sieht das Programm ein Engagement des gemeinnützigen Sports als Partner in kommunalen Bildungsnetzwerken vor.

Der organisierte Sport braucht für die flächendeckende Umsetzung des neuen Programms zusätzliche Unterstützung durch die Politik
Der organisierte Sport braucht für die flächendeckende Umsetzung des neuen Programms zusätzliche Unterstützung durch die Politik
„Das Bildungssystem befindet sich in einem radikalen Umbau. Der Landessportbund NRW mit seinen 20.000 Vereinen will seinen Beitrag zum Gelingen dieses Wandels leisten. Das neue Programm `NRW bewegt seine Kinder` liefert dazu das Rüstzeug. Das tun wir nicht ganz uneigennützig. Denn es steht nicht weniger auf dem Spiel als die Existenz der Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine“, sagt LSB-Präsident Walter Schneeloch.

Mitgliederschwund droht

Die Kinder, die bis weit in den Nachmittag im Ganztag an den Schulen gebunden sind, haben oft weder Zeit noch Kraft, danach im Sportverein aktiv zu werden. Es droht ein dramatischer Mitgliederschwund in der Altersgruppe von sechs bis 18 Jahren. Heute ist noch jedes zweite Vereinsmitglied jünger als 18 Jahre. „Wenn wir nicht aufpassen, bricht uns die Jugend weg. Das wäre fatal“, sagt Dirk Mays, Vorsitzender der Sportjugend NRW. Durch die Ausweitung des Ganztags auf die weiterführenden Schulen dürfte es für die Vereine künftig auch immer schwerer werden, z. B. Jugendsprecher oder Übungsleiter zu finden. „Das Programm ist alternativlos. Wir dürfen uns nicht als `Add on` verstehen, sondern müssen die Verzahnung mit den Schulen und Kindertagesstätten vorantreiben.“, erklärt Dirk Mays.

Auf der anderen Seite finden die Schulen im Rahmen des Ganztags im organisierten Sport einen starken Partner. Denn die Übungsleiterinnen und Übungsleiter der Sportvereine sind gut ausgebildet, haben viel praktische Erfahrung bei Bewegung, Spiel und Sport mit Kindern und Jugendlichen und sind damit die perfekte Ergänzung zur Lehrerschaft.

Natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle: „Würden die Lehrer nachmittags für Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote (BeSS-Angebote) im Ganztag zusätzlich gebunden, würde das jeden Kostenrahmen sprengen. Das weiß die Politik. Sie ist auf den starken Partner `Sportvereine` angewiesen“, ist LSB-Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Niessen überzeugt.

Hindernisse auf dem Weg

Doch auf dem Weg zur flächendeckenden Partnerschaft sind noch einige Hindernisse zu beseitigen. Im Moment stößt der organisierte Sport im Rahmen des Ganztags nämlich an Grenzen. Zwar gibt es an allen offenen Ganztagsschulen BeSS-Angebote. Der Anteil der Angebote, die durch den organisierten Sport durchgeführt werden, ist allerdings in den vergangenen Jahren von 80 auf 50 Prozent zurückgegangen. Die Gründe sind vielschichtig: Der Sport kann nicht überall mit dem rasanten Ausbau der Ganztagsschulen Schritt halten. „Außerdem wird in vielen Kommunen die zwischen Landesregierung und LSB vereinbarte Vorrangregelung für den gemeinnützigen Sport noch nicht beachtet“, sagt LSB-Präsident Walter Schneeloch.

Geplant ist deshalb, dass der organisierte Sport im Rahmen des neuen Programms bis 2015 flächendeckend in NRW im Kontext „Ganztägiger Bildung und Betreuung“ vertreten ist. Dazu sollen die Koordinierungsstellen der Stadt- und Kreissportbünde strukturell gestärkt werden. Auch die Sportfachverbände brauchen hier weitere Unterstützung, damit die Umsetzung des Programms den nötigen Schub bekommt.

"Das lässt sich mit den Mitteln der normalen Sportförderung nicht errreichen",  ist sich LSB-Vizepräsident „Finanzen“ Stefan Klett sicher. „Wir werden die neue Landesregierung auffordern, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Unser Angebot steht. Sobald in Düsseldorf die neue Regierung im Amt ist, werden wir aktiv“, kündigt Walter Schneeloch an.

Text:Theo Düttmann, Fotos: Andrea Bowinkelmann

Weitere Informationen: Landessportbund NRW, Matthias Kohl, Telefon 0203 7381 -925, Matthias.Kohl@lsb-nrw.de


 

 
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